Jahreslosung 2018

Predigt von Jonathan Schreijäg am 07.01.2018 in der EFG Schwäbisch Hall

Ein neues Jahr, eine neue Jahreslosung.

Ein neuer Anfang. Wie bist du ins neue Jahr gestartet?

Ich hab mir die Jahreslosung angesehen und ich dachte mir:

WOW! Was für eine schöne Zusage.

Gott spricht.

 

Das kommt in der Bibel gar nicht soo oft vor. - Gott schreibt selbst ein Nachwort zur Bibel.

Jesus spricht ganz viel. Menschen sprechen über Gott, Gott spricht zu Menschen. Aber dass Gott selbst so eine Zusage macht...- Das sind die Sternstunden der biblischen Prophezeihung.

WAS FÜR EIN VERS!

Lebendiges Wasser.- Umsonst. Hey, es gibt was gratis. Das klingt doch schön.

Aber.- WAS IST DAS? „Durstig“. „Durstig“ passt ehrlich gesagt nicht so ganz in die schöne heile Welt dieses Verses. „Durst“, das ist so wie „Hunger“ etwas, das es in meiner Vorstellung eigentlich nur ganz selten mal gibt.

Ja, soll vorkommen. Aber durstig bis zur Ewigkeit? Durst ist echt anstrengend.

Ist das okay?

Passt das in meine Welt?

1. Ich, der Genusstrinker

Also klar kenne ich Durst.

Wann warst du das letzte Mal so richtig durstig nach Gott?

Heute morgen vor dem Lobpreis? Gestern Abend?

Wie geht es dir grade? Ist bei dir alles „gut“?

Ich kenn so ein bisschen Durst auf Gott. Aber das ist eher so wie Appetit.

Aber so richtig tiefes

„boah, ich brauch jetzt endlich wieder mehr Gott in meinem System, sonst trocknet da was aus?“

Das sind so die kleinen „Dürstchen“ meines Lebens. Da werd ich zum Genusstrinker. Genau so, wie ich abends mal so ein Glas Wein zu schätzen weiß, kann ich nicht anders, als Gott zu loben, wenn ich in seiner Natur unterwegs bin. Wenn ich mir meine Laufschuhe schnapp und im Frühjahr lostrab. Und alles in mir atmet auf.

2. Echter Durst ist elementar

Und so richtiger, massiver, echter Durst?

Claudia, meine Frau und ich hatten total schönen Weihnachts- und sogar Silvesterurlaub.

Und als wir dann zurückkamen, hatte die Limette, die bei uns in der Wohnung steht die Hälfte ihrer Blätter abgeworfen und sah ein Bisschen nach Waldsterben aus.

Dabei hatten wir im voraus noch überlegt, ob die wohl ne Woche ohne Wasser übersteht.

Und entschieden: Ja, packt sie!

Echter Durst bedeutet nicht „ich hätte jetzt mal Lust auf nen Kaffee“, sondern echter Durst hinterlässt spuren.

Bei mir ist der Durst nach Gott mit einer bestimmten Art von Situationen in meinem Leben verbunden. Ich nenne sie:

NICHT Okay!

Die Welt ist nicht okay.

Das ist etwas, was ich gnädigerweise in meinem Alltag oft vergesse. Und das ist auch okay so. Schließlich darf ICH an der Hand Gottes leben. In einer heilen Familie, in einer tollen Gemeinde, mit Christen unterwegs. Wenn ich morgens aufstehe habe ich manchmal das Gefühl „das Reich Gottes ist nahe“...-

Aber dann gibt es auch die anderen Momente. Die, in denen nicht „alles okay“ ist. Die, in denen ich mich allein gelassen fühle. Und plötzlich geht es mir wie der Limette. Wo gerade noch die Welt in Ordnung schien, fange ich an, Durst zu LEIDEN. Nicht ein Bisschen. Sondern wo ein Puzzleteil aus dem Gefüge genommen wird, beginne ich ganz schnell das Puzzle meines Lebens und meiner Umwelt zu hinterfragen.

Wann fragt ihr euch nach dem Sinn eures Lebens?

Wenn ein Mensch stirbt?

Wenn eine Beziehung scheitert?

Wenn ein Stück aus meinem Leben gerissen wird?

2.1 Die Welt- Ein Puzzle

Die Welt ist wie ein Puzzle. Du kannst nicht ein Teil heraunehmen, es nach links und rechts wenden und die Frage nach seinem Sinn beantworten, ohne das ganze Puzzle zu lösen.

6 000 Teile. Ich sitze vor einem gewaltigen Puzzle. Chaos. Überall kleine weiße Blüten. Welcher Vollidiot hat sich ausgedacht, einen weiß blühenden Busch vor einem Bergpanorama in 6 000 Teile zu schneiden? Das Puzzle liegt seit 2 Jahren bei meinen Eltern daheim und blockiert das ungenutzte Wohnzimmer.

Inzwischen haben wir das Puzzle gelöst und es ging tatsächlich und allen Ernstes auf. Aber zwischenzeitlich saß man einfach nur davor und dachte sich „warum würde man so ein Chaos freiwillig aufräumen?“

7,5 Milliarden Menschen zur Jahreswende.

Abermilliarden an Kreaturen. Das komplexeste Puzzle aller Zeiten.

Die Welt kommt mir manchmal wie genau dieses Puzzle vor.

Schmerz, Unsicherheit, Verlust, Weinen, lachen, „alles hat seine Zeit“.

Die Welt ist unsicher geworden. Viele Menschen haben Angst vor der Zukunft. Hast du Angst?

Die Welt ist verwirrend geworden. Gender, Globalisierung, Überfremdung, Terror, Krieg, Sanktionen, Kim Jong Il und Trump, KI und Persönliche Assistenten. Was einfach sein sollte, wird schwieriger, was früher mal klar war wird unklar. Nicht unbedingt schlechter, aber verwirrender.

Am Ende ist die Frage, welchen Sinn ich in dieser Welt, hier in Hall, an diesem Platz hab dieselbe Frage wie die, warum du hier bist, warum Gott zulässt, dass eine junge Rettungsschwimmerin im Neckar ertrinkt oder warum ausgerechnet DU nicht im Lotto gewinnst.

Die Welt ist das komplexeste Puzzle aller Zeiten. Durst haben ist zu sehen, dass dieses Puzzle in Unordnung ist.- Und sich danach zu sehnen, dass es gelöst wird, dass jedes Teil seinen Platz bekommt.

2.2 Johannes darf „die Lösung spickeln“

Die Jahreslosung stammt aus der Offenbarung, aus dem vorletzten Kapitel der Bibel. Und Johannes sieht hier unglaubliches. Und es verschlägt ihm fast die Sprache.

Das Puzzle ist gelöst. Johannes zeichnet hier keine Auflösung in einfache Strukturen, sondern er spricht von einer neuen Welt. Neue Beziehungen, neue Natur, eine neue Stadt. Neue Geborgenheit. Neue Familienverbünde, neues Zusammenleben, neue Pflanzen und Tiere. Warum ist das wichtig? Können wir nicht auch in einem Nirvana glücklich werden?

„Satt“ oder „durstgestillt“ ist kein Begriff, der für mich allein gilt. „Durst“ ist ein systemisches Problem, kein individuelles. Menschen werden wieder durstig. Solang sie in dieser Welt sind. Solang ich morgens aufstehe und ins Bad tapse, brauche ich danach meine Tasse Cappuccino und mein Glas Wasser, bevor mein angekrustetes Hirn wieder produktiv wird.

Johannes spricht nicht von EINEM Mensch, der Durst hat, er spricht alle durstigen an. Wer sind die durstigen?

2.3 Die Gemeinde dürstet

Johannes spricht in die Gemeindewirklichkeit seiner Zeit.

Durst ist ein Zustand, nicht nur ein Gefühl. Wenn ihr mir nicht glaubt, fragt den Limettenbaum.

In Mt 6 spricht Jesus im Zuge der Seligpreisungen die durstigen an:

Mt 5,6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

„Durst“ hat eine tiefere Komponente als „ich bekomme Kopfweh“. Das Kopfweh ist lediglich das Symptom.

Was wirklich passiert, ist, dass mein Blut sich verdickt, gifte nicht mehr sauber abtransportiert werden, mein Hirn nicht mehr ausreichend durchblutet wird. Gefühlt leidet die Kehle.

Aber real leidet der ganze Körper.

Ich dürste. Nach Gerechtigkeit. Manchmal vergess ich das.

Okay, meistens vergess ich das.

Weil es mir so gut geht.

Aber „durst“ kann ich nicht ignorieren. Ich kann ihn vielleicht betäuben.

Aber er ist das, was in den Wüstenzeiten meines Lebens voll durchschlägt.

Als Jugendlicher hatte ich eine Zeit, in der haben ich mich gefragt:

WOFÜR? Wofür lebe ich? Was ist der Sinn?

Die verrückte Erkenntnis war: Alles hängt zusamen. Wenn mein Leben sinnlos ist, ist es deines auch. Aber wenn es einen Sinn gibt, einen Anker in dieser Welt, dann ist ALLES sinnvoll. Ein Puzzle mit zig milliarden Teilen, das irgendwann gelöst sein wird.

2.4 Die Welt dürstet

Der jüdische Philosoph Viktor Frankl aus Wien, der Auschwitz überlebt hat, machte daraus eine Richtung der Psychotherapie, die Logotherapie. Es geht ihm um den Sinn des Lebens. Frankl sage: „Sobald die Leute genug haben, wovon sie leben können, stellt sich heraus, dass sie nicht wissen, wofür sie leben können.“

„Sinn“ ist keine egoistische Frage, sondern du stellst dich damit in den großen Kontext von Gottes Weltzusammenhang.

LEIDEST DU mit? Bist du wütend mit den wütenden, machtlos mit den machtlosen, schmerzt es dich, wenn ein Mensch schmerzen hat? Und ich rede hier auch, aber nicht nur von körperlichem Leid.

Wie kann Jesus beten „dein Reich komme, dein Wille geschehe“, wenn er doch schon die Erfüllung IST?

„Dürsten“ ist keine Befindlichkeit. Es ist das tiefe Bedürfnis, dass das Puzzle gelöst wird und jedes Teil seinen Platz bekommt.

Das Motiv von Durst und Wasser ist nicht neu. Es durchzieht die ganze Bibel.

In Psalm 1 wird das Wasser mit dem Wort Gottes, der Bibel gleichgesetzt. Und der, der darin liest ist „Wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit.“

In Sir 24,21: Spricht die Weisheit „Die mich essen, werden noch hungern, die mich trinken, werden noch durstig sein.“

Im Johannesevangelium spricht Jesus von sich und vom Geist und sagt

„wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe wird nicht mehr durstig werden, sondern das Wasser wird in ihm zur Quelle werden, die in die Ewigkeit sprudelt.“

Wie bringen wir die vier zusammen? Bibel, Weisheit, Jesus, Geist Gottes? WER LÖSCHT DENN JETZT DEN DURST?

Ich glaube, der Durst, der hinter allen 4 Bilder steht, ist derselbe. Es ist und bleibt der Durst nach Gottes Gerechtigkeit.

In Psalm 1 verwirklicht sich Gottes Gerechtigkeit in den „Früchten“ des Baumes. Der Gerechte, der gepriesen wird, lebt aus den gerechten Weisungen Gottes.

Dahinter steht ein Bild im jüdischen Denken, aus dem ich mein Beispielbild von dem Puzzle geklaut habe, das sogenannte „Weltordnungsdenken der Weisheit“.

Weisheit ist quasi die Gebrauchsanweisung des Puzzles. Wer sie zu lesen weiß, sieht Gott, sieht die Welt klar. Wer weise lebt, lebt gerecht. Das heißt nicht, dass der Weise das Puzzle lösen könnte. Aber er lernt, genug von dem Puzzle zu verstehen, um sich selbst dort einzuordnen. Gott-Familie-Volk-Freunde und Feinde. Die Weltordnung ist von Gott angelegt, wer sie zu lesen weiß, kann richtig handeln.

(Deshalb ist es auch wichtig und richtig, nicht nur nach Gott, sondern auch nach seiner Weisung zu streben, verstehen zu wollen, WIE GOTT SICH DIE WELT GEDACHT HAT). „Gott liebt mich“ ist der Kern. Aber er ist nicht genug, um dauerhaft satt zu werden. Das geht weit über die Frage hinaus, wer schuld an welchem Übel oder unschuldig ist.

DURST STILLEN bedeutet: Ich seh deinen Schmerz- und ich leide mit dir. Aber ich kann auch über deinen Schmerz hinaussehen. Und ich seh echte Hoffnung, ich hab eine echte Perspektive, ich habe eine echte Quelle, aus der ich lebe.

3. Durst Sinn-Voll löschen

Jesus? Er ist die verkörperte Gerechtigkeit Gottes.

ER geht ans Kreuz, in IHM fängt das Reich Gottes an.

„Selig sind, die da hungert und dürstet nach Gerechtigkeit“.-

Denn sie werden in ihrem Suchen Gott finden.

Und JA, dieser Gott ist schon DA. Da dürsten wir an einer ungerechten Welt, an unseren eigenen Ansprüchen, an verworrenen Strukturen und schwierigen Fragen. Kommt mein Freund in den Himmel? Ist es schon ungerecht, wenn ich die Hose kaufe? Wie viel ist genug und wann ist viel zu viel? Reichts?

Ich muss euch leider sagen: Dieser Durst, so unangehem er mir manchmal ist, ist genau das, was uns motiviert, zur Quelle für andere zu werden.

Eine leidende Gemeinde, ein Prophet in der Verbannung, Christenverfolgung. Johannes und die Gemeinde stecken in schwierigen Verhältnissen. Sicher, nicht alles ist schlecht, aber auch nicht alles ist gut. Und die Frage „WOFÜR?“ wird immer wieder zum Prüfstein in meinem Leben.

Und dann ist da Gott und er sagt: „Wer Durst hat, dem gebe ich von der Quelle des lebendigen Wassers UMSONST.“

DAS ist es doch, was ich angenommen habe, als ich gesagt habe: „Jesus, ich bin nicht gerecht. Und ich werde es nie sein. Aber ich leide darunter und du leidest darunter. DU bist für mich gestorben und das will ich annehmen.“

Gerechtigkeit in einer Welt, die sich schwer tut mit Gerechtigkeit. Keine menschliche Gerechtigkeit, sondern göttliche.

Puzzleteile, die sich am Ende der Zeiten fügen.

Ein Puzzle, das schon heute begonnen ist.

Eine Quelle, die schon in uns ist.

Joh 7,38 „Von dem sollen Ströme des lebendigen Wassers fließen“.

Uns Christen wurde lange vorgeworfen, dass wir aufs Jenseits vertrösten.

Aber wir haben das so in unsere DNA aufgesogen, dass ich mir manchmal eher wie ein Diesseitsvertröster vorkomme: „Alles wird JETZT gut.“

NEIN. Wird es nicht.

In der Kinderstunde ist „Jesus“ immer die Antwort auf alles. Und er ist es, weil er es IST. Die letzte Antwort wird immer lauten „am Kreuz“. Aber selbst Jesus, die Antwort in Person kann selbst  noch beten „dein Reich komme, dein Wille geschehe“.

Aber ja, es können auch hier und jetzt gute Dinge geschehen. Teile des Puzzles sich lösen. Besonders um Menschen, die von Jesus überquellen. Da, wo Menschen nach Gerechtigkeit und Vergebung dürsten. Besonders da, wo JETZT schon Gottes Reich anbrechen darf.

3.1 Durst ist vor-End-lich

Alle Kreatur sehnt sich nach Erlösung. Sprichst du SINN, lebst du SINN in deinem Umfeld?

Ich hab für mich die Erfahrung gemacht: Alles hängt zusammen. Wenn es keinen Gott gibt und ich willkürlich BIN, bist du es auch. Wenn ich wertlos bin, bist du es auch.

Aber wenn ich geliebt bin, bist du es auch. Ich weiß, dass ich geliebt bin. Also weiß ich auch, dass du geliebt bist. Ich weiß, dass Gott mit vergibt. Deshalb will ich auch, dass DIR vergeben wird. Ich weiß, dass Gott mir einen Sinn, einen Platz, eine Aufgabe zugedacht hat. Deshalb will ich auch, dass DU deinen Sinn, deinen Platz, deine Aufgabe findest. DAS heißt für mich „DEIN REICH KOMME, DEIN WILLE GESCHEHE, wie im Himmel, SO AUF ERDEN“.

Die Gemeinde von Johannes braucht diese Perspektive. Sie müssen wissen, dass dieses Puzzle sich irgendwann lösen wird. Sie brauchen diese Perspektive genau so, wie das Wissen, dass es bereits um sie beginnt. Und dass sie bereits jetzt ihren Platz in dem Puzzle einnehmen dürfen und sollen.

Ich will lernen, mehr nach dem Reich Gottes zu dürsten. Ganz konkret SINN vorleben und in Leben sprechen zu düfen. Viel dürsten und darin zur Quelle werden, die anderen in die Ewigkeit sprudelt.

Zukunftsperspektive: Was würde ich tun, wenn ich KEINE Angst hätte?

Joh 4,14 wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. 

Amen

Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

Wir sind Mitglied im Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.



Sicher durch spannungsreiche Zeiten führen

Als „intensiv, angefüllt und zugleich atmosphärisch fröhlich und entspannt“ erlebte Oliver Pilnei das Seminar der Akademie von dem er hier berichtet..

06.09.2018

Frohe Botschaft und Drachensport: ewigkite.de-Team wächst

Drachenfliegen, Powerkiten, Kitesurfen: Bei ewigkite.de verbinden Christen ihr Hobby damit, Kirche für die Menschen vor Ort zu sein. Jetzt bekommt das baptistische Projekt Verstärkung..

03.09.2018

Zum Seitenanfang